Emissionen der Bundeswehr sind nicht Teil der Klimaziele und der Klimaberichterstattung Deutschlands. Das heißt, selbst wenn Deutschland 2045 klimaneutral gemäß der eigenen Ziele wird – die Emissionen der Bundeswehr sind damit nicht vollständig eingerechnet. Möglich machen das Kyoto-Protokoll und das Abkommen von Paris. Dort ist es den Staaten überlassen, ob sie ihre Militäremissionen bei nationalen Zielen berücksichtigen oder nicht. Überraschung – das tut quasi niemand. In Deutschland hat die Bundeswehr zwar das Ziel, zivile Emissionen, also solche aus Fuhrpark und Büros, zu senken. Für 2021 bedeutet das, dass nur ca. 1,7 Millionen Tonnen der auf mindestens 10 Millionen geschätzten Gesamtemissionen angegeben wurde.
Sechs Prozent der CO₂‑Emissionen weltweit kommen vom Militär
Durch die dramatisch steigenden Ausgaben für Aufrüstung ist mittlerweile von wesentlich höheren Emissionen auszugehen. Im Durchschnitt geht man von ca. 0,2 g CO₂ pro Euro aus. Die Rüstungsindustrie ist jedoch auf jeden Fall weitaus klimaschädlicher als der Durchschnitt. Von dem Leid und den Emissionen, die Krieg selbst bringt, spreche ich hier nicht einmal. Global werden so 5 bis 6 Prozent der Emissionen nicht adressiert und damit verschwiegen. Angeblich wegen Sicherheitsbedenken – aber Militärausgaben und Personalzahl werden öffentlich angegeben. Ein vorgeschobenes Argument also.
Zudem sind Emissionen ebenfalls ein Sicherheitsrisiko, denn der Klimawandel stellt eine Bedrohung dar. Über 16.000 Hitzetote hat dieser Sommer gefordert – nur in Deutschland und nur dieses Jahr. Ernterückgänge, Wasserknappheit und Extremereignisse werden Regionen und Staaten destabilisieren und Fluchtbewegungen und Konflikte auslösen. Das passiert heute schon. Höchste Zeit, umzusteuern!
In Hitzeschutz investieren, statt in Kriegstüchtigkeit
Für Die Linke im Bundestag habe ich als Sprecher für Klimapolitik daher einen Antrag eingebracht, die Emissionen der Bundeswehr künftig vollumfänglich zu berücksichtigen und die Ausgaben für Rüstung deutlich abzusenken. Wir müssen die Rüstungsexporte beenden und Rüstungsunternehmen in zivile Produktion überführen, außerdem Auslandseinsätze beenden und künftig auf Diplomatie und Klimaschutz setzen.
Aktuell ist Deutschland nicht von Feinden umzingelt und vereinzelte Drohnen oder Sabotageakte verlieren durch resiliente Infrastruktur ihre Wirkung. Wir müssen in die Sicherheit der Bevölkerung investieren, etwa in den Hitzeschutz, anstatt Milliarden in Kriegstüchtigkeit zu versenken. Die Regierung scheint sich an den kommenden Verteilungskämpfen um schwindende Ressourcen und Lebensgrundlagen beteiligen zu wollen, statt die schlimmsten Folgen der Umweltkrisen zu bekämpfen und akzeptable Lebensbedingungen überall auf der Welt zu schaffen. Sozialismus oder Barbarei – die Weichen werden gestellt. Höchste Zeit, sich zu organisieren!
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Links bewegt.
Geograph Dr. Fabian Fahl aus Aachen ist Mitglied des Bundestags seit 2025 und Klimapolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke.
